„Menschen überschätzen ihren Beitrag zur Arbeit einer Gemeinschaft chronisch und halten die Leistung der anderen für zu gering.“

Wissenschaftler um Juliana Schroeder von der University of California in Berkeley berichten in einer aktuellen Studie, dass dieser Hang zur Selbstüberschätzung mit der Größe einer
Gruppe steige.“ berichtet die SZ.

Fand ich spannend – deshalb hier zum nachlesen 🙂

8. März 2016, 18:36 Arbeit und Gemeinschaft
Vorsicht, Größenwahn
Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie im Haushalt mehr schuften als Ihr Partner, dass die Kollegen im Büro sich auf Ihre Kosten eine Auszeit gönnen? Sie sind nicht allein. Und Ihr Gefühl täuscht.

Von Sebastian Herrmann
Müll runtergebracht, Spülmaschine ausgeräumt und Wäsche aufgehängt. Schon wieder. Gleich noch staubsaugen und Unterlagen für den Steuerberater raussuchen. Hilft ja nichts, muss gemacht werden. Aber was trägt der Partner dazu bei, dass der Haushalt nicht zur Müllkippe verkommt? „Alles bleibt an mir hängen“, lautet die gängige Antwort, die eigentlich ein Vorwurf ist. Im Büro verhält es sich genauso: Auf die Kollegen ist kein Verlass. Wenn man nicht mehr schuften würde als die anderen, ginge hier alles den Bach runter. Doch wenn jeder überdurchschnittlich viel leistet, dann müssten doch alle Haushalte immer perfekt geputzt und alle Projekte stets vor der Frist erledigt sein?

Menschen überschätzen ihren Beitrag zur Arbeit einer Gemeinschaft chronisch und halten die Leistung der anderen für zu gering. Wissenschaftler um Juliana Schroeder von der University of California in Berkeley berichten in einer aktuellen Studie, dass dieser Hang zur Selbstüberschätzung mit der Größe einer Gruppe steige. Je mehr Kollegen zusammen arbeiten, desto höher beziffert jeder den eigenen Beitrag zum Ergebnis der kollektiven Arbeit. Und wenn mehr als zwei Menschen in einem Haushalt leben, entsteht dort eben noch schneller die Ansicht, dass die anderen keinen Finger krümmen.

Die Studie über die gefühlte Verteilung der Hausarbeit zählt zu den Klassikern der Sozialpsychologie. Dafür baten die Psychologen Michael Ross und Fiore Sicoly in den 1970er-Jahren Ehepaare, ihren jeweiligen Anteil am täglichen Putzen, Räumen und Sortieren in Prozent anzugeben. Die Summe beider Einschätzungen ergab meist einen Wert, der höher als 100 Prozent lag. Mit anderen Worten: Einer oder beide Ehepartner überschätzten ihren Beitrag. Den gleichen Effekt haben Forscher anschließend in vielen Umfeldern ausgemacht. In der Arbeitswelt oder im Mannschaftssport etwa: Man braucht nicht das Ego und fußballerische Können Cristiano Ronaldos, um sich selbst als Heilsbringer eines Teams zu betrachten.

„Die Leute sind überrascht, wie sehr sich viele überschätzen. Sie halten ihre Angaben für exakt“, sagt Schroeder über ihre Versuche mit mehr als 1000 Probanden. Was ist los, ist jeder von der eigenen Großartigkeit überzeugt? Nein, pikanterweise reklamieren Menschen in Gruppen auch eine überproportional große Verantwortung für die Dinge, die in die Hose gegangen sind – zumindest wenn sie in Studien danach gefragt werden.

Hinter dem Effekt steckt vielmehr menschliche Denkfaulheit. Selbsterbrachte Leistungen fallen einem leichter ein, als die Beiträge der anderen. Was die Kollegen oder der Partner geschafft haben? Da müsste man intensiver nachgrübeln und geistige Anstrengung vermeidet jeder quasi automatisch. Deshalb steigt der Hang zur Selbstüberschätzung auch mit der Größe einer Gruppe: Die Leistungen der anderen lassen sich noch schwerer überschauen, wenn etwa sechs statt nur drei Kollegen ein Projekt bearbeiten.

Doch es existiert ein Gegengift, zeigen die Wissenschaftler um Schroeder. Man muss die Menschen dazu zwingen, über die Leistung der anderen nachzudenken. Wer erst den Beitrag der Kollegen oder des Partners beurteilt, schätzt sein eigenes Tun anschließend eher realistisch ein.

und hier noch der Link zur Originalarbeit:
http://faculty.chicagobooth.edu/nicholas.epley/SchroederetalJEPA.pdf

Schöne Grüße
Tom

Interessantes zur Selbsteinschätzung
Markiert in:

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?